Altenburg ist nicht rechts!

Altenburg ist wegen mehrerer Fälle von Alltagsrassimus und seinen Auswirkungen für mehrere Wochen in der überregionalen Presse gewesen. Die AfD erzeugt ohnehin ununterbrochen negative Schlagzeilen. Dennoch will das Bürgerforum Altenburger Land eine Wahlkampfveranstaltung für die AfD ausrichten. Nun lässt Andreas Sickmüller, Sprecher des Bürgerforums,  durchblicken, dass er oder andere aus dem Bürgerforum für die Oberbürgermeisterwahl 2018 in Altenburg kandidieren würden. 

Links: Einladung zur Wahlkampfveranstaltung des Bürgerforums
Quelle: Facebook; Rechte: Facebook;
Rechts: (mögliche) Kandidaten für das Amt des Oberbürgermeisters
Quelle: Osterländer Volkszeitung

Auf was lassen wir Altenburger uns da eigentlich ein?
Ein Kommentar:

Holger Arppe phantasiert in halbprivaten Kreisen darüber, dass er Kinder missbrauchen, Mütter und männliche Prostituierte vergewaltigen und wahlweise zerstückeln oder aufessen möchte. Er will in Deutschland ein Apartheidsystem aufbauen und politische Gegner hinrichten lassen.
Nun können sich prinzipiell in jeder Partei fragwürdige Personen bis in die höchsten Ämter befinden. Jedoch wurde Holger Arppe bereits 2015 wegen Volksverhetzung verurteilt und seine Aussagen tätigte er auch gegenüber anderen AfD-Mitgliedern, welche ihn in diesen sogar noch weiter bestärkten. Obwohl Herr Arppe einschlägig vorbestraft war und seine Äußerungen Teilen der AfD bekannt, wurde er als Kandidat für die AfD in Mecklenburg-Vorpommern aufgestellt. Dank der AfD begleitet Herr Arppe gleich 2 politische Ämter – sowohl im Landtag als auch in der Rostocker Bürgerschaft – und wird damit vom Staat bezahlt. Er macht aktuell keine Anstalten seine Ämter und damit seinen politischen Einfluss wie auch sein Einkommen aufzugeben. Dies hat er der AfD zu verdanken, auch wenn er nun aus dieser Partei ausgetreten ist.

Der AfD-Kandidat Karsten Hilse störte sich in Hoyerswerda nicht an einem Neonazi, der sich bis zu einer viertel Stunde lang an seinem Stand, wie auch dahinter, aufhielt. Hilse kannte diesen nicht nur und wusste deshalb um seine Gesinnung, der Neonazi stellte diese auch ganz offen und für jeden sichtbar mit einem Hakenkreuz-T-Shirt (Aufschrift: „HKN KRZ“) und einem sichtbaren Hitler-Porträt auf der rechten Wade zur Schau.

Nahezu zeitgleich äußerte sich Alexander Gauland darüber, welcher auch gern NPD-Sprüche rezitiert, wie er mit politischen Gegnern gedenkt umzugehen. Im Falle Aydan Özoğuz rekurrierte er auf ihre Herkunft und meinte, man werde sie nach „Anatolien“ entsorgen können, wenn man ihr einmal gezeigt habe, was eine spezifisch deutsche Leitkultur ist. Er meinte dies sicher nicht im satirischem oder spöttischem Sinne. Vor nicht allzu langer Zeit unterstellte man einigen Parteien „ausgediente Politiker“ nach Brüssel zu „entsorgten“. Herr Gauland meinte dies im denkbar abfälligstem Sinne. Er entschuldigte sich später zwar für die „ungeschickte Wortwahl“ – was diese Lesart somit bestätigt – an dem Inhalt seiner Aussage aber sieht er weiterhin nichts kritikwürdiges, was Alice Weidel bestätigt. Dies zeigt, dass Herr Gauland jeden Anstand und jede Moral vermissen lässt und er dabei längst nicht der Einzige in der AfD ist. Entweder wollen sie den unredlichen Charakter seiner Aussage nicht zugeben, oder sie sind tatsächlich außerstande ihn zu erkennen.
Dies sind allesamt nur die Ereignisse der letzten zwei Wochen. In wie weit die AfD im rechtsextremistischen Terror um Franco A. verstrickt ist, werden wir erst im Laufe der nächsten Wochen erfahren.

Und nun? Nun möchte das Bürgerforum Altenburger Land eben jene Partei erneut in Altenburg hofieren. Erneut werden womöglich viele Altenburger zu dieser Veranstaltung gehen, wieder mehr als in den Gasthof Kosma überhaupt passen. Jeder zehnte Altenburger wird vermutlich zur Bundestagswahl die AfD wählen, wenn nicht sogar mehr.
Aber: Altenburg ist nicht rechts!
Wenn wieder einmal das öffentliche Interesse durch solche oder ähnliche Veranstaltung an Altenburg geweckt wird, wird wieder versucht werden den Boten zu erschießen, anstatt sich dem benannten Problem zu widmen. Als der Altenburger Alltagsrassismus medial hohe Wellen schlug, wurde behauptet „die Medien“ stellten Altenburg als braunes Nest dar. Dem war zwar nicht so, es brauchte aber eine solche Unterstellung um aus der Berichterstattung einen Sündenbock zu machen, damit sich keiner dem Problem als solches mehr widmen muss.
Warum aber haben eben jene Altenburger ein Problem damit als „rechts“ bezeichnet zu werden, die mit einer Partei wie der AfD sympathisieren? 
Sie wählen die AfD doch trotz ihrer menschenverachtenden, völkischen, geschichtsrevisionistischen und teils antisemitischen Aussagen. Oder vielleicht sogar deswegen?

Screenshots der Facebook-Aktivitäten von Mitgliedern des Bürgerforums
Quelle: Facebook; Rechte: Facebook

Dass das Bürgerforum inhaltlich weder mit dem Antisemitismus eines Wolfgang Gedeon, der darüber ganze Bücher schrieb, noch mit dem Geschichtsrevisionismus eines Björn Höcke Probleme hat, ist wenig verwunderlich. Deren ehemaliger Sprecher Frank Schütze posiert gerne vor der schwarz-weiß-roten Reichsflagge oder zusammen mit Jörg Krautheim und lässt sich über das „Germanen Gen“ (sic!) aus. Aber nicht nur mit dem Chef der „Kameradschaft Gera“, Jörg Krautheim, ist Schütze via Facebook befreundet, sondern auch auch mit Christian Bärthel, einem rechtsextremen, antisemitischen Reichsbürger, mehrfach verurteilter Volksverhetzer und Verharmloser des Holocaust. Damit ist Schütze aber nicht allein. Zum einen wohnte Bärthel einigen Veranstaltungen des Bürgerforums bei und bekommt dort auch mal ein Podium, zum anderen ist er auch mit weiteren aus dem Umfeld des Bürgerforums bei Facebook befreundet. Zum Beispiel mit Gebhard Berger und Sprecher des Bürgerforums: Andreas Sickmüller. Letzterer verteidigt auch gerne mal die Reichsbürger-Szene und verteilt „Wahrheiten“ über diese via Facebook oder er verteidigt die mehrmals verurteile Holocaust-Leugnerin und Rechtsextremistin Ursula Haverbeck. Nicht nur dadurch relativiert er den Holocaust, sondern auch dadurch, dass er diese Straftat ein „Meinungsverbrechen“ nennt und die Achtung vor den Opfern des Holocausts als „Juden-Schuldkult“ bezeichnet. Damit übernimmt und verbreitet Sickmüller eindeutig rechtes Gedankengut.

Interview von Lars Fleck mit Christian Bärthel 
Quelle: AON

Die Frage an uns Altenburger, an alle Altenburger ist, wollen wir nur nicht als „rechts“ bezeichnet werden, oder wollen wir tatsächlich nicht „rechts“ sein?
Ist lediglich ersteres der Fall, so werden wir in Zukunft einfach nur weiter auf die „bösen Medien“ schimpfen, welche die Finger immer wieder in die Wunde legen werden.
Ist letzteres der Fall, können wir nicht zu hunderten zu AfD-Veranstaltungen gehen, diese beklatschen und zu tausenden diese Partei wählen, während die Mehrheit in Altenburg schweigend zustimmt.

„Altenburg ist nicht rechts!“ muss nicht behauptet,
sondern gezeigt werden.

Ergänzung

Zur besseren Lesbarkeit nochmal in groß:

Sickmüller verteidigt Holocaust-Leugnerin und Holocaust-Leugnung
Sickmüller verteidigt Holocaust-Leugnerin und Holocaust-Leugnung
Quelle: Facebook; Rechte: Facebook;

Update

Nach der Recherche veröffentlichte Dr. Gunter Seyffarth, ebenfalls Sprecher des Bürgerforums, einen Post indem er die Verschwörungstheorie der „Umvolkung“ andeutete. 
Er deutete sie zwar nur an und verteidigte sie nicht, aber er zog jeden Angriff auf das Thema und die eindeutige Wortwahl ins Lächerliche, so dass die Andeutung unangetastet stehen blieb.

Screenshot Seyffarth über "Umvolkung" auf Facebook
Screenshot Seyffarth über „Umvolkung“ auf Facebook
Quelle: Facebook; Rechte: Facebook;

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